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Warum mein Sohn gerne schwul werden kann….

8. Aug. 2017
4 Min. Lesezeit

Man möchte meinen, das in der heutigen Zeit, wo die gleichberechtigte Ehe endlich anerkannt wurde, es so viele Aktivisten und Organisationen gibt, in der sich selbst Prominente und Politiker für dieses Thema stark machen, es unnötig ist einen Artikel über Gleichberechtigung zu schreiben...

Doch immer wieder werde ich eines Besseren belehrt. Immer wieder werden mir solche Bemerkungen entgegenschmettert. Immer wieder werde ich daran erinnert das es immer noch nicht egal ist wer wen liebt! Und genau deshalb sollten wir auch nicht müde werden dieses Thema immer wieder präsent werden zu lassen. Damit unsere Kinder und deren Kinder irgendwann in einer Welt aufwachsen, in der es wirklich EGAL ist das Hans den Bernd und die Uschi die Ulrike liebt!

Sowas gibt es also wirklich?

Als ich das erste Mal mit dem Thema Homosexualität konfrontiert wurde, war ich bereits 16 Jahre alt. Ein lieber Mensch in meinem Leben erwähnte mal so nebenbei…“Ach ja, ich steh auf Frauen!“

Und ich war baff. Denn in meinem bisherigen Leben konnte ich nicht viel damit anfangen. Wusste ich doch, dass es sowas „unnormales“ gibt aber so in echt und live wurde ich bis dato noch nicht damit konfrontiert. Es überschritt einfach meinen Horizont….

Ich grübelte lange darüber, machte mir zu dem Thema meine Gedanken und kam zu dem Schluss: ES IST MIR EGAL!

Es ist mir egal wer wen liebt oder nicht liebt. Ob Mann und Frau, Frau und Frau, Mann und Mann, Bi, A-Sexuell, Transgender, Monogam oder Harem. Es ist mir schlicht egal, solange der Mensch dahinter glücklich ist.

Es änderte sich nichts an der Person. Sie war immer noch genauso liebenswert wie vor davor und der Rest hatte für mich keine Bedeutung.

Nun bin ich ja Mutter eines Sohnes. Und irgendwie ist in unserer Gesellschaft immer noch diese grauenhafte Geschlechtertrennung verankert. Da spielen Mädchen mit Puppen, Jungs mit Autos. Mädchen tragen rosa und die Jungen doch bitte blau.

Aber wer legt denn das eigentlich fest?

Und bitte wer kam auf die Idee, zu behaupten, Jungen, die mit Puppen spielen werden automatisch schwul?

Seit wann legt das Spielzeug den Weg der späteren Orientierung fest?

Seit wann machen Farben homosexuell?

Es sind Farben – Es sind Spielsachen und vor allem ES SIND KINDER!

Kinder die entdecken. Kinder für die eine Farbe eine Farbe und ein Spielzeug ein Spielzeug ist. Kinder die nicht verstehen das es Sachen gibt die nicht zu ihrem Geschlecht passen. Kinder die noch nie etwas von Rassismus gehört haben. Kinder für die alle gleich sind – egal ob schwarz, weiß oder bunter.

Warum fangen wir also an, dieses so unbeschwerte und für alle wünschenswerte Weltbild durch unseren Dogmatismus zu vernichten?

Mein Kind ist so, wie es ist und ich werde es Lieben egal was es macht, egal mit wem er es macht und egal wo er es macht – solange mein Kind glücklich ist, darf es sich entfalten wie es ihm beliebt.

Pink ist das neue blau!

Genau aus diesem Grund kaufte ich meinem Kind den knallpinken Puppenwagen, den er so freudestrahlend bei jedem Besuch in dem Laden durch die Gänge schob.

Genau aus diesem Grund ziehe ich ihm die Jacke an, mit rosa Aufdruck und Herzknöpfchen an den Taschen.

Genau aus diesem Grund darf er mit Freude auf dem neonpinken Motorrad durch das Dorf fahren, das er von der Verwandtschaft vererbt bekommen hat.

Das gibt es nicht zu bedauern und nichts zu staun.....

Er steht drauf, er ist glücklich – also bin ich es auch. Ich ertrage gerne die Sprüche das er dadurch schwul wird und frage mich jedes Mal, WARUM denn das so schlimm ist?

Ist er deswegen weniger wert?

Sollte ich mir deswegen Sorgen machen oder gar Angst haben?

Ist es nicht einzig wichtig das er so sein darf wie er möchte?

Egal wie er sich orientiert?

Ist es nicht wichtig das er bedienungslosen Rückhalt von seiner Familie hat, egal in welcher Lebenslage?

Wer Angst hat, verliert!

Denn genau das wird er von uns bekommen und das IMMER! Meinem Kind möchte ich zeigen, dass alle Menschen gleich sind.

Egal welche Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung sie haben mögen.

Egal ob sie arm, reich, behindert oder gesund sind.

Wir sind alles Individuen, so verschieden und doch so gleich. Denn eins haben wir alle gemeinsam – wir sind alle Menschen und das ist das einzige was zählt. Also, was antworte ich auf die Frage ob ich nicht Angst hätte das er schwul wird?

Natürlich mit Nein!

Ich habe keine Angst das er schwul wird.

Ich habe Angst davor das er in einer Gesellschaft aufwachsen muss, in der es immer noch Menschen gibt, die glauben, man müsste davor Angst haben.

Ich fürchte mich davor, dass er gemobbt wird, auf Grund solcher belanglosen Sachen.

Ich habe Angst das er nicht glücklich sein wird, weil er Angst hat er selber zu sein.

DAS macht mir Angst! Nicht die mögliche Entwicklung seiner Orientierung. Denn die macht aus ihm nicht weniger Mensch.

Ist es nicht traurig das sich selbst unsere heutige Gesellschaft über solche Nichtigkeiten noch den Kopf zerbricht?

Ist es nicht traurig das die Medien dieses Bild noch prägen, in dem sie unseren Kindern eintrichtern, dass es spezielles Spielzeug nur für Mädchen und Jungs gibt?

Ist es nicht traurig, das die Modekonzerne die Kindersachen nach Mädchen- und Jungenfarben und Motiven einteilen?

Ich erziehe mein Kind bunt! Bunt bei den Farben, bunt bei den Anziehsachen und bunt in der Sexualität.

Denn BUNT IST NORMAL.

Für die Zukunft…

…noch ein letztes Wort an meinen, durch meine Erziehung, schwul gewordenen, erwachsenen Sohn! – Sei glücklich wie du bist, sei stolz darauf wer du bist und schäme dich nicht dafür wer du sein wirst - denn du bist wunderbar!

Liebe Grüße eure

Winterkind-Mama


 
 
 

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